Ausflug nach Teruel

26. September Teil 1 Rambla Barrachina

Auch heute haben wir wieder blauen Himmel und strahlenden Sonnenschein.

Für die Rollerfahrt ziehen wir lange Hose und Pullover an, doch es ist schon zu ahnen, dass es später warm werden wird. Vor dem Vergnügen kommt erstmal ein langer Ritt (fast 42 km).  Außerdem muss ich höllisch aufpassen, dass wir den Abzweig nicht verpassen, denn das Ziel ist nicht ausgeschildert. Erschwerend kommt hinzu, dass grad an der N330 gebaut wird. Natürlich müssen wir prompt eine Ehrenrunde drehen. 

Über Schotter- und Sandpiste kommen wir dann zum Parkplatz Rambla Barrachina, auch als El Cañón Rojo bekannt. 

Roller vor roten FelswändenUnter dem Baum dort stehen sogar zwei WoMos. Sowas hätten wir unserem Dickschiff nicht zugemutet.

Grad kommt der Fahrer des deutschen VW Busses zurück und stellt die übliche Scherzfrage „Seid ihr ganz aus Hannover mit dem Roller hier?“ Ja, klar! Er gibt uns dann Tipps, wo denn hier Wege entlang gehen. Vom Parkplatz aus gehen wir gerade einen kleinen Wall hinauf und folgen dann dem ausgetretenen Sandpfad weiter bergan. Rechts wie links blicken wir auf Felswände, die auch im amerikanischen Bryce Canyon stehen könnten.

Vor Millionen von Jahren angehäufte Ton und Mergelablagerungen erodierten durch Wind und heftige Regenfälle im Lauf der Zeit. Zurück blieben vertikale Rinnen, Türmchen am Fels und flachere Hügel. Auch im Boden um den Weg herum zeigen sich Erosionsgräben. So ist hier und da ein beherzter Sprung zum Weiterkommen nötig.

Canyon Rojo bei Teruel
Rote erodierte Felswände
rote erodierte Felswände

Aussicht in Tal beim Canyon RojoSchließlich landen wir auf einem bewaldeten Kamm, hier stoßen wir auf eine weitere Sandpiste. Rechts ginge es in ein weiteres Tal, doch da steht ein fettes Schild „privado“. Also wandern wir links weiter und kommen zu einem Aussichtspunkt in besagtes Tal.

Von dort aus spazieren wir noch weiter, die Piste verläuft sich in einen Pfad und irgendwann scheint es nicht recht weiter zu gehen. Zumindest nicht ohne etwas Kraxelei.

Der VW-Bus Fahrer sprach zwar von einem Rundweg, sagte aber auch, dass er rund 11 km gegangen wäre. Das ist uns etwas viel, daher tanken wir Rhabarberschorle und marschieren auf gleichem Weg zurück.

Im Web hatte ich Bilder von Slotcanyon ähnlichen Abschnitten gesehen, doch die müssen an einem anderen Weg liegen.

Felszinnen Canyon Rojo
Canyon Rojo
Canyon Rojo

Teruel – Stadt der Mudéjar-Türme

Vom Cañón Rojo rollern wir hinauf zur Altstadt von Teruel. Wir finden einen Parkplatz ehe die Straßen eng werden und landen so am oberen Ende der Escalinata del Óvalo. Die Treppe mit Park führt zum modernen Teil der Stadt, speziell zum Bahnhof.

Sie wurde 1920 bis 1921 gebaut und zwar im Neo-Mudéjar Stil, die moderne Variante des Mudéjarstils. Der verbindet alte islamische Architektur mit Stilelementen der Romantik, Gotik oder Renaissance. Er entstand Ende des 12. Jahrhunderts und verbreitete sich in Spanien (und seinen Kolonien) bis ins 17. Jahrhundert. Damit haben wir auch schon zwei der Türme. 

Die obere Freitreppe habe ich frontal nicht komplett auf den Chip gebannt bekommen (Panorama Stitch Versuche gescheitert).

Freitreppe Teruel oben
Freitreppe Teruel oben frontal

Wir spazieren durch eine Gasse weiter hinauf und sehen schon bald einen der drei Türme mit alten Toren zur Stadt. Wir kommen geradewegs zum zentralen Platz; offiziell Plaza Carlos Castel, inoffiziell Plaza Torico. Im 12. Jahrhundert befand sich Alfons II mit seinem Herr hier in der Gegend auf Eroberungsfeldzug. Die Legende sagt, dass auf einmal die Soldaten einen Stier erblickten, der von einem leuchtenden Stern geleitet wurde.  Daraufin gehorchten sie nicht mehr dem König, sondern folgten dem Stier. Dort, wo der dann stehen blieb, bauten sie eine Festung und gründeten so Teruel. Der Fuente del Torico mit der großen Säule, die von einem kleinen Stier gekrönt wird, ehrt diese Legende.

Schöne Jugendtilhäuser säumen den Platz. 

Plaza Torico Teruel
Kollage Brunnen Torico

Hier erspähe ich schon ein nettes Cafe, doch der Gatte will erst noch nach Alternativen schauen. Also bummeln wir weiter durch die Gassen. Wir kommen am Museum und an kleineren Kirchen vorbei zur Kathedrale. Dabei sind wir „Opfer“ der spanischen Siestazeit – es ist alles geschlossen. 

Das Portal der Catedral de Santa Maria de Mediavilla schaut erstmal so gar nicht katholisch aus und auch der Turm ist eindeutig Mudéjar. An der Plaza davor steht auch das Rathaus von Teruel. 

Kathedrale Teruel
Rathaus Teruel

Links abgebogen kommen wir flugs wieder zur Plaza Torico und mangels Alternativen lassen wir uns dann bei dem Cafe nieder, das ich gleich anfangs gesehen habe. Mit spanischen Brocken meinerseits und Gestik seitens des Kellners kommen wir dort dann sogar zu unseren Eisbechern. 

In Teruel kursiert außerdem eine Romeo-und-Julia Liebesgeschichte.

Die Liebenden von Teruel

Die junge Segura, Tochter sehr reicher Eltern, und der arme Junge Juan verliebten sich ineinander. Doch natürlich verbot Seguras Vater eine Hochzeit. Nach langem Drängen willigte er schließlich ein:  Juan dürfe Segura heiraten, wenn er es innerhalb von fünf Jahren schaffe, ein kleines Vermögen zu erwirtschaften. 

Juan zog also in die Welt hinaus, um Geld zu verdienen. Segura hörte nie auf an den Geliebten in der Ferne zu denken. Sobald allerdings die fünf Jahre um waren, verheiratete Seguras Vater das junge Mädchen mit einem reichen Adeligen.

Juan kehrte mit einem Vermögen zurück und war natürlich untröstlich. Er bat Segura wenigstens um einen letzten Kuss, doch diese, hin und her gerissen zwischen Liebe und Sünde des Ehebruchs, verweigerte ihm den. So starb Juan an gebrochenem Herzen. Bei seiner Beerdigung schenkte Segura ihm den gewünschten Kuss und brach tot zusammen. Man beschloss die Liebenden von Teruel wenigstens im Tode zu vereinen und begrub sie zusammen.

Die Liebenden von TeruelViele Jahrhunderte später fand man zwei Skelette und erinnerte sich an diese Legende. Da fertigte man richtig prachtvolle Sarkophage an und errichtete ein Mausoleum.  Dies suchen und finden wir dann, doch natürlich ist auch hier geschlossen. Immerhin können wir ein Denkmal der Liebenden anschauen. Das Relief an der Treppe zeigt übrigens die Todesszene aus der Geschichte.

Wir spazieren zurück zum Roller, passieren dabei zwei weitere Stadttore in Mudéjar-Türmen.

Türme der Stadt Teruel
Teruel Flugzeug Friedhof

Aeropuerte Teruel Tele Schnellschuss

Wir fahren zurück zum Campingplatz. Schon auf der Hinfahrt ist uns aufgefallen, dass am Aeropuerto ungewöhnlich viele Maschinen zu sehen scheinen. Zwischenzeitlich nachgeschlagen: der Flughafen von Teruel ist eher ein Flugzeugfriedhof. Dort werden stillgelegte Flugzeuge abgestellt und ausrangierte Maschinen ausgeschlachtet und verwertet.

Das Restaurant am Campingplatz schaut sehr nett aus, da gehen wir zum Abendessen hin. Mit Fleecejacke können wir sogar draußen sitzen. Die Bedienung spricht nur spanisch, doch immerhin gibt es eine englische Übersetzung der Speisekarte. Und nun spielt uns unsere Sparsamkeit einen Streich. 

Wir bestellen das Sonderangebot: eine Flasche Rioja Rotwein und eine Fleischplatte für zwei Personen für 35 Euro. Erwartet haben wir eine Grillplatte, doch wir hätten slaughter meat wörtlich übersetzen sollen. Schlachteplatte ist nun so gar nicht Kerstens Fall. Er isst sich dann mit Pommes, den Schaschlik ähnlichen Spießen und Schinkengriller ähnlichen Würstchen halbwegs satt. Ich als Landkind darf mich dann mit der gebratenen Rotwurst und fettrandigem Braten vergnügen. Zumindest war dessen Speckrand schön kross. Die rosa Brühwürste (vermutlich) gehen wieder zurück. Nächstes Mal gibt es wieder Burger!

Zumindest der Rotwein ist wirklich lecker.