Königliches Aranjuez

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27. September Von Albarracín nach Aranjuez

Es gäbe in der Gegend von Albarracín noch einiges Nettes anzuschauen, doch zumindest jetzt haben wir noch einen gewissen Zeitplan einzuhalten. Wir fahren daher heute weiter Richtung Südwesten; anfangs nach Calomarde, dann weiter durch Berge und Hochtäler.

Wir standen schon öfter nahe der Mündung des längsten Flusses der iberischen Halbinsel, nun kommen wir an seinem Ursprung vorbei. Fuente Garcia die Quelle des Rio Tajo / Tejo. Nicht sehr eindrucksvoll … 

Dann schon eher das Monument dazu aus dem Jahr 1974. Vater Tajo und Sinnbilder der drei Provinzen seines Quellgebietes: Guadalajara (Ritter), Cuenca (Vase) und Teruel (Stier). Er fliesst rund 816 km durch Spanien, bildet für 48 km die Grenze nach Portugal und strömt 145 km weiter bis in den Atlantik ( 1009 km).

Quelle des Tajo
Tajo Denkmal

Es geht weiter durchs Gebirge. Kurzer Stopp mit Aussicht auf den Stausee Embalse de la Toba (nicht vom Tajo).
Etwas längerer Halt beim Ventano del Diablo. Dort hat der Teufel mal keine Brücke gebaut, sondern Fenster – natürlich in Form eines Schädels. In der Höhle soll er Hexensitzungen abgehalten haben und jene, die sich zu weit heraus lehnten, in den Abgrund gerissen haben.
Rund 200 m unter uns der Rio Júcar, immerhin auch 500 km lang. Hier freue ich mich über meine Anschaffung einer Handyhülle mit Kordel, da brauche ich nicht so weit über die Brüstung schauen. 

Embalse Toba
Ventana de Diablo
Blick in Schlucht
Blick nach Unten

Tajo bei AranjuezWir fahren weiter nach Cuenca, kaufen dort kurz bei Lidl ein und düsen danach über die Autobahn bis nach Aranjuez. Dort steuern wir den Camping Internacional an. Wir waren hier schon einmal für eine Zwischenübernachtung. Da es so aussah, als gäbe es auch etwas zu besichtigen, wollte Kersten gern nochmal hierher.

Beim Bummel über den Platz stellen wir fest, dass der Tajo um einiges gewachsen ist.

28. September Palacio Real

Das Wetter macht dem Sonntag keine Ehre. Es ist zwar warm, aber stark bewölkt. Für später wird Regen angesagt. Da ist eine Schlossbesichtigung ja genau das Richtige. Wegen der Einbahnstraßen hier in der Stadt müssen wir gut 3 km mit dem Roller fahren.

Wir kommen über die Plaza de Parejas zum Palast. Die Ausmaße der Residenz sind riesig und kaum in Gänze abzulichten. Leider ist nur ein Teil des Platzes nett anzuschauen, der Rest eher trist und staubig.

Palacio Real AranjuezDie Gegend hier am Tajo gehörte damals im 9. Jahrhundert dem Orden des heiligen Jakobs vom Schwert. Dessen Ritter errichteten im Dorf Aranjuez ein kleines Jagdschlösschen. Der Orden verwickelte sich in Skandale, dehalb wurde Ferdinand II. 1493 durch den damaligen Papst als Verwalter eingesetzt. Sein Nachfolger Karl V. machte Aranjuez zum königlichen Besitz. Er begann, das kleine Schloss und seinen Park auszubauen und errichtete eine erste Brücke über den Tajo. Philipp II. ließ dann 1560 eine standesgemäße Residenz erbauen, den Palacio Real. Der wurde dann im Laufe der Jahrhunderte mehrfach erweitert und umgestaltet.

Arkaden Platz vor ResidenzIn den Nebengebäuden waren und sind wohl Verwaltungsbüros untergebracht. Vielleicht auch Dienstwohnugen. Tja, und wo ist nun der Eingang?  Etwas versteckt da unter den Arkaden

Eintrittskarten hatte ich kurz vorm Urlaub online gebucht, Zeitschlitz musste angegeben werden. Kosten 9,77 Euro für mich, Kerstens Seniorenrabatt von 5 Euro haben wir in einen Audioguide investiert. Den Helm mussten, den Rucksack haben wir in ein bewachtes Schließfach gesperrt.

Über einen Innenhof, in dem gerade für eine Veranstaltung etwas aufgebaut wird, kommen wir ins hochherrschaftliche Treppenhaus. 
Bei der Kuppeldecke sind wir nicht sicher, ob das wirklich Holzeinlegearbeit ist oder geschickte Trompe-l‘œil (Maltechnik). Deckenfrescos kriegen wir ebenfalls mehr als reichlich zu sehen.

Wer all die Künstler gewesen sind, konnten wir uns wirklich nicht merken.

Deckenfresco Palast
Deckenfresco Palast

Wir spazieren dann durch eine Reihe prunkvoll ausgestatteter Räume. Ballsaal, Musiksalon, Ankleide und Schlafzimmer der Königin. Jetzt weiß ich auch, warum die immer Bettvorhänge hatten: damit diese Vielfalt an Gemälden und Deko den Schlaf nicht stört.

Ballsaal
Musiksalon
Ankleide Königing
Schalfzimmer Königin

Überwältigend erdrückend im Dekor ist das Porzellanzimmer. Die einzelnen Motive der Wandverkleidung – tatsächlich Reliefs aus Porzellan – sind ja nett anzuschauen, doch alles zusammen…..

Kollage Porzellanzimmer

Die maurischen Kalifate wurden ja von den Katholischen Königen zurückerobert, deren Bewohner vertrieben; Kunststile jedoch gern weiter verwendet wie hier im Herren Raucherzimmer.

Herrenzimmer im maurischen Stil

Wie es sich für eine katholische Königsfamilie gehört, hat natürlich jedes Privatzimmer noch seine eigene Gebetsecke. Und dann wäre da noch der prunkvolle Thronsaal.

Okay, protzen gehört zum königlichen Handwerk, doch würdet ihr so wohnen wollen?

Wir landen schließlich wieder bei der Freitreppe.

Gebetsecken
Thronsaal Aranjuez

Im Erdgeschoss können wir dann noch eine Ausstellung von Kutschen bewundern. Außerdem die prachtvollen Brautkleider der letzten beiden Königinnen und den anderen Töchtern von Juan Carlos.

Wir besuchen noch kurz die königliche Kapelle, ehe wir Helm und Rucksack einsammeln und den Palast verlassen.

Jardin de la Isla

Jardin Rey AranjuezEs sieht aus als würde es noch trocken bleiben wollen, daher gehen wir hinüber zu den umliegenden Gärten. Der Jardin del Parterre ist leider mit Bauzäunen abgesperrt.

Den Jardin del Rey direkt am Palastgebäude finde ich jetzt nicht sonderlich beeindruckend.

Der Rio Tajo fließt hier in Schleifen durchs Tal. Im Zuge des Palastbaus 1560 wurde ein Kanal direkt am Palast vorbei angelegt und auf der dadurch geschaffenen Insel ein Schlosspark gestaltet. Darauf spielt der berühmte Beginn des Dramas Don Carlos von Schiller an: „Die schönen Tage in Aranjuez sind nun zu Ende.“ Von da an (bis etwa 1656) durfte sich dann nämlich nur noch der Hof dort aufhalten.

Jetzt dürfen auch wir den Jardin de la Isla betreten. 

Brunnen Jardin IslaBlumenschmuck gibt es kaum zu sehen, umso mehr Bäume und Ornamenthecken. Außerdem einige Brunnen mit Skulpturen aus der griechisch-römischen Mythologie. Um Wasser zu sparen, sprudeln die allerdings immer nur sporadisch. Beim Fuente de la Boticaria da haben wir Glück. Außerdem kommen wir noch zu den Brunnen:  Herkules und die Hydra, Apollon, Diana, Bacchus und Neptun. 

Bacchus und Neptun Brunnen
Brunnen Diana

Beliebt bei den Leuten ist der Brunnen Fuente del Niño de la Espina . Der arme Junge hat wohl einen Dorn im Fuß. 

Brunnen Junge mit Dorn

Kaskaden am PalastWieder in der Nähe des Schlosses angelangt können wir noch die Cascada de las Castañuelas am Kanal bewundern.

Diese Runde durch den Park ist etwa 2 km lang. Den Rückweg zum Roller wählen wir über die La Plaza de la Mariablanca, einem weiteren eher kargen Platz. Wir kommen noch an einer Statue der Venus vorbei, am Mariblanca Brunnen und der Iglesia de San Antonio de Padua.

Da die Wolken nun doch immer dunkler werden, sehen wir zu, dass wir flugs zurück zum WoMo kommen. So verpassen wir die Frontansicht vom Palast.

Schauern tut es dann erst am frühen Abend.

29. September Jardin del Principe

Heute strahlt wieder die Sonne vom Himmel.
Eigentlich liegt unser heutiges Ziel dem Campingplatz gegenüber, es fehlt nur die Fähre über den Tajo. Also rollern wir dorthin, ähnliche Strecke wie gestern. Wegen der Einbahnstraßen irren wir etwas umher bis wir den Eingang finden.

Der Jardin del Principe ist ein Landschaftspark, dessen Anlage der Prinz von Asturien, später Carlos IV, 1772 beauftragte. Die Gestaltung sollte die Vielfalt und die Größe des spanischen Weltreiches darstellen. Der Großteil des Parks besteht wieder aus Wald. Ein Labyrinth von Wegen durchzieht ihn – mal symmetrisch, mal sternförmig oder scheinbar wahllos angelegt. Zum Glück gibt es Wegweiser.

Eingang Jardin Principe
Kollage Principe

Narziss BrunnenDas Museo de Falúas Reales zeigt eine Sammlung wunderschön erhaltener königlicher Barken. Das hätte mich schon interessiert, leider ist es zur Zeit wegen Renovierung geschlossen.
Wir spazieren daher Richtung Fuente de Narciso. Altgriechischer Legende nach war Narziss ein schöner Jüngling, der sich an einer Quelle hockend rasend in sein Spiegelbild verliebte und letztlich vor Sehnsucht danach starb.
An der Brunnenanlage tragen vier muskulöse Atlanten quasi die Quelle. Narziss wird von einem Hund begleitet und hinter den beiden ist ein Pfau sichtbar (Symbol für die Eitelkeit).

Gleich darauf kommen wir zum Grenzdamm des Gartens am Ufer des Tajo und auch zur -abgesperrten- Anlegestelle gegenüber des Campingplatzes (Bild siehe erster Tag). Heute sind auf dem Fluss einige mit SUPs oder Kajaks unterwegs. 

Durch die Bäume sehen wir einen weiteren Brunnen hohe Fontainen ausstoßen. Als wir dann näher zum Fuente del cisne (Schwanenbrunnen) kommen, tröpfelt es nur noch. Zwei kindliche Wassermänner mit Fischschwänzen statt Beinen halten mit ihren Armen einen Schwan am Hals, Rund um den Brunnen sehen wir Faunenköpfe daher auch der Alternativname „Brunnen der Köpfe“.

Ein paar Meter weiter stoßen wir auf den Apollo Brunnen. Der Gott der Poesie und Musik hockt dort auf einem Haufen Steine. Der soll er den Berg Parnass darstellen, den Ort an dem die Musen leben. Keine Anzeichen für baldige Wasseraktivität.

Schwanenbrunnen
Apollobrunnen

In so einem königlichen Park darf natürlich ein Aussichtspunkt nicht fehlen. Dafür entstand der Schweizer Berg mit einem kleinen Pavillon am Gipfel. Dort blicken wir auf den englischen Garten.
Schon öfter sind uns jugendliche Gruppen begegnet. Vielleicht auch so ein Erstsemester Tag? Hier stürmt grad eine besonders laute Truppe hinauf, daher flüchten wir schnell.

Schweizer Berg
englischer Garten

Einen asiatischen Touch bietet dann der Chinesische Teich.
Am Teichufer ragt eine riesige mexikanische Sumpfzypresse in den Himmel – über 200 Jahr alt mit einem Durchmesser von über 2 m und knapp 38 m Höhe.

Chinesischer Teich

Weit im Osten des Parks steht das Gartenschloss Casa des Labrador. Hier traf sich die adelige Gesellschaft, nachdem sie sich bei der Bootsfahrt über den Tajo prächtig amüsiert hatten, zum Tanz oder Karten- und Billardspiel. Auch das Vergnügungsschloss wird noch renoviert und ist daher momentan nicht zu besichtigen. Auf dem Rückweg kommen wir noch an der Isla americana vorbei,  Wahrscheinlich der Douglasien wegen so benannt. Danach wandern wir relativ geradeaus zurück zum Eingang.

Gartenschlösschen
Isla americana

Jetzt haben wir uns eine Erfrischung verdient!
Wir hatten schon ein nett aussehendes Lokal entdeckt. Hat auch eine nette Terrasse zum Fluss hin. Leider Ruhetag. 

Okay, ich war gewarnt, dass hier Montag nichts los ist, weil dann Schloss und Museen geschlossen sind. Das gilt auch für die angebotenen Bootstouren auf dem Tajo.
Neben dem Burger König am Ort finden wir dann doch noch eine Art Cafe. Es gibt dort sogar Eis! Kersten nimmt den Drei-Kugel-Becher, ich probiere mal eine? Batida.  Was nichts anderes ist als ein Milchshake.
Den Rest des Tages relaxen wir am Wohnmobil.