19. September Fahrt in die Pyrenäen nach Bielsa
Heute heißt es endlich: Vamos a España!
Vorher stocken wir beim Carrefour noch unsere Vorräte auf.
Die Autobahnen machen einen Schlenker über Toulouse, den möchte Kersten vermeiden. Die Abkürzungsstrecke ist gar nicht soo viel kürzer und deutlich langsamer, doch zumindest kostenfrei. Wir landen schließlich auf der La Pyrénéenne (A64) und folgen ihr eine Weile. Bei der Ausfahrt 16 fahren wir ab und südwärts ins Gebirge. Langsam schrauben wir uns hinauf auf 1825 m Höhe. Die Aussichten dabei werden immer spannender. Wir kommen durch einige Ortschaften, sehen aber auch einzelne Gehöfte am Hang.
Das gewaltige Bergmassiv des Pyrenäenhauptkamms mit den Pics Marioule und de l’Aiguillette stellt sich uns in den Weg. Um dem Verkehr die Überquerung der Pyrenäen hier zu ermöglichen, wurde ein Tunnel in den Berg gesprengt und 1976 eröffnet. Obwohl die Straße zweispurig ist und nicht allzu eng, wird die Durchfahrt von einer Ampel geregelt, die angeblich alle 11 Minuten umschaltet. Als wir ankommen, wird sie natürlich grad rot. Gibt uns Zeit, die Ausblicke hier zu genießen.
Ich habe nicht die Zeit gestoppt, doch schon bald bekommen wir grünes Licht.
Mit der Fahrt durch den drei Kilometer langen Tunnel geht es über die Grenze nach Spanien und wieder hinunter auf 1675 m. Das Willkommensschild verpasse ich irgendwie. Nach weiteren 12 Kilometer bergab bis etwa 1025 m Höhe erreichen wir unser Quartier für die nächsten Tage: Complejo Touristico Camping Bielsa. Der Campingplatz ist nett in Terrassen am Berghang angelegt. Außerdem gibt es ein Aparthotel dort und Bungalows zu mieten. Restaurant, Cafeteria und Pool haben wir nicht getestet.
Nach einer Kaffeepause erkunde ich kurz die nähere Umgebung. Im Tal fliesst der Rio Cinca. Ans Ufer komme ich nicht heran, das ist eine Schafsweide abgesperrt. Richtung Süden führt der Weg bald vom Flussufer weg, Richtung Norden bei der Brücke habe ich dann freie Sicht. Der Weg geht hier zwar neben dem Fluss weiter, Büsche und Bäume erlauben aber kaum Ausblicke.
Tagsüber hatten wir so um die 28°C. Leider kommt hier schnell Schatten ins Tal und es wird frisch.
20. September Valle de Pineta
Vorsichtshalber hatten wir abends die Heizung angestellt, auf die Stufe bis 12°C. Keine Ahnung, ob sie nachts geheizt hat, morgens stelle ich sie aber flugs höher.
Es ist bedeckt, eine Regenwahrscheinlichkeit von 30%, vermutlich erst abends. Wir sind also mutig und gehen trotzdem auf Tour. Mit dem Roller fahren wir bis fast ans Ende des circa 12 km langen Valle de Pineta. Schon die Fahrt ist interessant, denn das U-förmige Tal ist umrahmt von hohen und steilen Bergkämmen. Einzig die dunklen Wolken voraus stimmen mich bedenklich. Es gibt einen großen Parkplatz, Kosten für uns 3 Euro. Pünktlich bei Ankunft fängt es an zu nieseln. Zu Fuß geht’s weiter. Wir queren auf einer Brücke das steinige Flussbett des Cinca und kommen über eine Wiese – im Winter ist hier eine Langlaufloipe – zum Infocenter. Das hat eine breit überdachte Veranda, hier können wir uns während des unvermeidlichen Schauers unterstellen.

Nationalpark Ordesa y Monte Perdido
Wir befinden uns nun im Nationalpark Ordesa y Monte Perdido. Er wurde am 16. August 1918 gegründet und ist damit der älteste in den Pyrenäen. Das Pineta Tal liegt am Fuße des Monte Perdido (3355 m) und des Circo de Pineta (Gipfelspitzen des Pico de Pineta 2861 m). Vom Informationscenter hier starten unterschiedlich lange Wanderungen zum Cirque de Pineta und ins Hochtal Llanos de la Larri. Wir entscheiden uns, die grüne oder gelbe Wanderung zu unternehmen. Die rote ist eine lange Tagestour mit 1200 Höhenmetern.
Es dauert keine Viertelstunde, da hört der Regen auf und wir können uns auf den Weg machen. Über einen breiten Forstweg wandern wir erst durch Wald und dann neben Bächlein her. Es geht langsam aber stetig bergauf. Der Himmel wird heller und erste blaue Flecken sind zu sehen. Die Aussicht auf dem dritten Bild unten erinnert uns an den Cirque de Gavarnie in Frankreich. Tatsächlich ist der Luftlinie nur wenige Kilometer entfernt.
Nach einer knappen Stunde erreichen wir eine weitere Brücke und können dort Blicke auf eine der unteren Kaskaden des Cinca werfen.
Hier ist auch der Scheidepunkt der Wege. Für die gelbe Route zum oberen Wasserfall geht es jetzt treppenartig ziemlich steil hoch. Da bleiben wir lieber auf dem Forstweg und folgen somit der grünen Route. Etwa eine halbe Stunde brauchen wir bis zur nächsten Brücke, die über den Barranco de la Larri führt. Auch hier gibt es einen Wasserfall zu sehen.
Laut Wegbeschreibung sind wir bis hier rund 3,5 km gelaufen und um die 300 Meter hinauf. Da haben wir uns doch ein Apfelpicknick verdient.
Der Forstweg würde weiter führen ins Hochtal von Larri bis zu einer Hütte. Bilder davon schauen auch nett aus, wir wollen Knie und Knöchel aber nicht gleich zuviel zumuten. Laut unterer Karte haben wir nun zwei Alternativen für den Rückweg: den Camino de la Larri und den Camino de las Cascadas. Hier oben jedoch sind gedruckte Hinweiszettel angenagelt, die die erste Möglichkeit ausschließen. Der zweite Weg geht durch die Schlucht der Larri mit weiteren Wasserfällen des Flusses. Doch der ist steil und steinig mit schon am Anfang großen Stufen. Ich gehe bis zum ersten Ausguck und entscheide bei Blick auf den weiteren Weg „Nix für uns“.
Wir gehen also auf gleichen Weg zurück zum Parkplatz. So können wir noch ein paar nette Bilder bei etwas mehr Sonnenschein machen.
Nach insgesamt rund dreieinhalb Stunden sind wir wieder am Parkplatz. Für Kaffee und Kuchen wollen wir hinunter nach Bielsa fahren. Unterwegs halten wir kurz am Embalse de Pineta einem Stausee des Cinca.
An der Spitzkehre beim Kriegerdenkmal in Bielsa finden wir eine Cafeteria, die uns Cappuccino und Flan (Käsekuchen) bzw. Tiramisu serviert. Wir können gut draußen sitzen, denn mittlerweile sind es schon wieder 26°C. Frisch gestärkt drehe ich eine kleine Runde durchs Dorf, während Kersten sein Knie schonen und einen zweiten Kaffee trinken darf.
Wir rollern dann zurück zum Campingplatz und können dort noch die Sonne genießen. Das für abends angekündigte Gewitter bleibt aus. Knallen tut später nur ein Feuerwerk, vermutlich von der Hochzeitsgesellschaft.
21. September Ein total verregneter Sonntag
Das angekündigte Gewitter hat sich verspätet; gegen 3 Uhr Nacht geht’s los – Donnerschlag auf Donnerschlag. So im Gebirge hallt es auch noch immens. Dazu pladdert der Regen, ein Weilchen hört es sich sogar mehr nach Hagel an. Es dauert eine gute Stunde bis sich die Front verzogen hat.
Zumindest Blitz und Donner, regnen tut es weiterhin. So bleibt es bis aus Ausnahmen den ganzen Tag. 🙁 Bei dem Wetter haben wir auch keine Lust zu fahren. Wir harren aus und hoffen auf einen trockenen Montag.
Hat irgendwie auch etwas Gemütliches im warmen WoMo zu hocken und spannende Krimis zu lesen.