22. September Fahrt nach Zaragossa
Der Montagmorgen zeigt sich tatsächlich viel freundlicher. Laut den Vorhersagen – da stimmen mal alle Wetter Apps überein – wird es den Rest des Tages jedoch sehr wechselhaft. Ich habe eigentlich zwei bis drei weitere Touren in petto, allerdings mit längeren Rolleranfahrten. Das ist uns zu unsicher; nass werden wollen wir lieber nicht. Per WoMo sind die Ausflüge nicht zu machen. Schweren Herzens beschließen wir nach Zaragoza weiter zu fahren.
Unser Weg führt uns anfangs auf der A 138 gen Süden durchs Tal des Rio Cinca. Rechts und links bis zu 2300 m hohe Berge. Das Tal wird enger bis für die Straße kein Platz mehr ist und sie durch einen kurzen Tunnel weiterführt.
In einem Reisebericht habe ich gelesen, dass es hinter dem Tunnel eine Möglichkeit für einen kurzen Stopp gibt. Hier kommt man nämlich durch einen kleinen Gang im Fels bis ans Ufer. Wir können tatsächlich halten und ich kraxele wagemutig hinunter für einen Blick in die schmale Schlucht Congosto de las Devotas.
In Ainsa biegen wir nach Westen auf die N260 ab. Wir fahren weiter durch die Berglandschaft der Pyrenäen mit Serpentinen und einigen Tunneln. Bei dem blauen Himmel bereue ich es kurz, dass wir nicht doch noch geblieben sind. Wenig später aber rollen aus Südwesten dicke Wolken heran
Bei Sabiñánigo kommen wir auf die Autobahn A23, die uns bis nach Zaragoza bringt. Unterwegs sieht es dann schon viel flacher aus.
Übernachten werden wir heute auf dem Camping Ciudad de Zaragoza. Wir bekommen einen der etwas kahleren Stellplätze und leider in Hörweite der Straße.
Kurze Mittagspause.
Ein Nachmittag Zaragossas Altstadt
Wir haben keine Lust, für einen Nachmittag den Roller aus der Garage zu holen. Deshalb nehmen wir den Bus in die Stadt; Fahrzeit etwa 30 Minuten, Kosten 1,65 Euro pP. Dabei gondeln wir durch einige Wohnviertel, die erstaunlicherweise wie amerikanische „gated communities“ aussehen. Also schicke Häuser, drum herum ein starker Zaun/Mauer und eine bewachte Einfahrt.
Am Endpunkt der Linie am Puerta del Carmen steigen wir aus. Weiß nicht, ob das alte Stadttor hier schon immer stand, oder es jetzt nur den Kreisel verziert. Bis zur Altstadt haben wir noch eine Ecke zu gehen. Da Zaragossa eigentlich (noch) nicht auf dem Plan stand, sind wir etwas ziellos unterwegs. Vom Handynavi lassen wir uns erstmal Richtung Kathedrale führen. Wir kommen an dem „Stadtschild“ vorbei, außerdem schon mal an zwei Kirchen und netten Häusern.
Schließlich landen wir beim Plaza Pilar, dem Platz vor der Kathedrale Basilica de Nuestra Señora del Pilar.
Die Kathedrale ist die größte Barockkirche Spaniens und Zaragossas berühmteste Sehenswürdigkeit. Der Überlieferung nach erschien hier im Jahre 40 n.Chr. die Jungfrau Maria dem Apostel Jakobus auf einer Säule. Um diese herum wurden seitdem nacheinander einige Kirchen gebaut. Das heutige Gebäude stammt aus dem 17. Jhd. Es hat an jeder Ecke einen Turm und außerdem 11 bunt gekachelte Kuppeln. Der bekannte Maler Francisco de Goya hat sich im Innern mit Fresken verewigt. Die Tür steht offen, man kommt umsonst hinein.
Viel Zeit zum Gucken bleibt uns leider nicht. Eine Messe beginnt und wer die nicht besuchen will, wird freundlich hinaus gebeten. Auf der Plaza gibt es weitere Sehenswürdigkeiten.
An der Fassade der Basilika sehen wir ein Relief zur Geschichte mit der Säule, außerdem den Brunnen Fuente de la Hispanidad in Form einer Karte vom alten Hispanoamerika sowie eine steinerne Weltkugel und zwei Skulpturen Niños con Peces. Das Denkmal für Goya und weitere Statuen sind leider von Gerüsten versperrt.
Wir biegen am südwestlichen Turm der Kathedrale rechts ab und kommen so zum Ufer des Ebro. Dort spazieren wir den breiten Fußweg entlang bis zur Ponte de Piedra. (Irgendwie nicht abgelichtet). Von ihr aus haben wir dann eine schöne Aussicht auf die Basilika, leider etwas Gegenlicht.
Von der Brücke aus gehen wir geradeaus zurück und landen wieder auf der Plaza und zwar bei Zaragozas zweiter Kathedrale Catedral del Salvador, Kosename La Seo. Eigentlich ist diese die ältere der beiden. Nach langjähriger Rivalität garantierte im 17. Jahrhundert der Papst beiden den Status als Bischofssitz. Wir sind erstaunt, dass hinter dem weißen, römisch anmutendem Portal ein eher maurisches Gebäude zu sehen ist.
Ursprünglich war hier zu Römerzeiten ein Forum (Markt). Später während der maurischen Herrschaft wurde das in eine Moschee umgewandelt und nach der Reconquista im Jahr 1118 dann als Kathedrale geweiht. La Seo wurde und im Laufe der Jahrhunderte mehrfach umgebaut, der maurische Stil (Mudéjar genannt) blieb teilweise erhalten.
Ab da spazieren wir kreuz und quer durch die Gassen, kommen vorbei an netten Plätzen, alten Gemäuern, Arkaden, Graffiti und Tapas Bars.
Spinnen an der Hauswand, schon Vorboten zu Halloween? Wäre ja etwas früh …
Es ist deutlich nach Vier daher gönnen wir uns irgendwo unterwegs schon mal ein Feierabendbier.
Wir sehen auch noch zwei weitere der kleineren Kirchen; insgesamt sind es dann vier. Die Iglesia de Santa María Magdalena weist eine Besonderheit auf: einen Turm im Mudéjarstil. Dafür hat die Ilesia de San Juan de los Panetes den „schiefen Turm von Zaragoza“. Quasi nebenan sehen wir Überreste der altrömischen Stadtmauer. Zaragora wurde nämlich zwischen 24 und 12 v. Chr. von den Römern unter dem Namen Colonia Caesaraugusta gegründet
Der Namensgeber Caesar Augustus steht als Statue hier noch herum, sonst gibt es wohl wenig römische Ruinen. Die Statue schaut auf die Markthalle.
Vom Handynavi lassen wir uns zurück zur Puerta Carmen leiten. Vor der Rückfahrt braucht Kersten dringend einen Boxenstopp. Und so landen wir bei all den Kneipen in Zaragoza in einer, die drinnen ausgesprochen deutsch – eher bayrisch – ist. Na dann: Prost!